Bilderserie "Geschichte des Krieges"
Der Strick, die Spur
Manchmal fängt alles mit einem Strick an. Ich denke hier nicht an einen Strick um sich aufzuhängen, nein. Die Erinnerung an eine bestimmte Zeit die ich hier meine, liegt irgendwo in der Mitte der Kriegsjahren Kroatiens. Und in der Mitte unseres Vorhofes in unserem Haus an der Drau, in der Stadt unter dem Feuer. Und an einen Abend eines Siebzehnjährigen, der empor des beleuchteten Himmels starrt. Die Sterne sind kleine, winzige, fast unsichtbare Pünktchen, während die Feuerbälle des Krieges in eigenem Schauspiel der Lichter ihr Performance zeigen. In meinem Mund der Strick, ein Plastikwäschestrick, auf dem ich ganz leise Töne schlage.
Mein Blick ist starr, die Gedanken weg, just für ein paar Momente ist die Angst auch weg. Gedanken sind weg: Gerade bin ich nicht hier und konnte ein meditativer, außernatürlicher, in Nirvana erlöschter Musiker sein. Und auf einem Film der nie gedreht wurde, ist dieses Moment eine luzide Kunstvorstellung. Augenblicklich höre ich ganz lautes Quietschen eines Mörserprojektils. Man sagt, wenn man es hört, ist es schon über dich und fliegt vorbei und du bist safe. Trotzdem. Mein Ausgang ist ein Loch in dem Ziegelsteinboden, eine Kellerfalltür. Springe rein. Der Eingang in die scheinbare Sicherheit. In altem, steinernem, türkisch gewölbtem Keller kommen wieder die Gedanken und die Angst ist langsam wieder spürbar.
Und was ist der Strick für ein wunderbares Instrument! Und was ist Kunst für ein wunderbares, verwandelbares Werkzeug für übersteigen der Realität, für die Umformulierung des Alltags, für die Andeutung der Unsterblichkeit, des verrückten Geistes und einer offener, bloßgelegten Seele in den verstellten, verdrehten und doch so normalen Zeiten!
Und was ist der Jagdruf des Gejagten in seiner Dunkelkammer und seinen mit tausend Bildern gefüllten Schädelräumen? Wie fühlt sich das kalte Blut in einer verengten Welt, mit kalter Tusche langsam an der Haut herunter laufend? Und all die psychedelische Striche an der Wand? Und alle vom Wahnsinn verschobenen Gespenster aus der unbekannten Dimension? Die dir erzählen, dich beleidigend, in schizophrener haltloser Art in Dialoge mit deinem Demon zwingen. Der spricht zu dir und du hast keine Wahl und kein Zeitgefühl und kein wahrnehmbares Leben. Alles was du machen kannst, ist diesen Raum und diese Wände füllen, diese Striche ziehen, diese Formen des nahen Untergangs zusammenwerfen und übereinander zu klatschen.
Diese Bilder, diese unklare, wie Blutflecken langsam austrocknende Tinte, sind der Anfang der kreativen Schöpfung. Der Puls eines Verstandes der keiner ist. Der nach Antworten strebend seine eigene Löcher in den Himmel bohrt , seine eigene Formen unabhängig von eigenem Willen nimmt. Eine nach der anderen blättern sich die Schichten der alten Patina ab. Eine Kopfstimme befehlt: Fange an! Fange an zu leben, fange an zu atmen, fange an mit deinem ganz persönlichem Ausdruck des sinnlosen Daseins und male. Male deine gedankenlose Gefühle an nächst verfügbarer Fläche, an dieser Wand, auf die jetzt krabbelnd die unschuldige Kindheitsbilder unter dem alten Dachziegelstein davon kriechen, empor des Himmels der mal war. Und der Strick ist wieder gespannt, in eine Spur, sich in einen Weg breitend ...
Geschichte des Krieges II

2006
80 x 100 cm
Öl auf Leinwand
Geschichte des Krieges III

2006
80 x 100 cm
Öl auf Leinwand
Repression

2007
60 x 40 cm
Öl auf Leinwand
Tag danach

2007
40 x 30 cm
Öl auf Leinwand
Shattered Dreams

2009
60 x 60 cm
Öl auf Leinwand
Tribute to Taxi Driver

2006
40 x 30 x 5 cm
Gemischte Technik auf Holzkörper








