In the Box

Skulptur "Man in the Box II"

Eine Plastik aus der Serie “In the Box”

Wo immer man hinschaut ist eine viereckige Fläche, eine Kiste, eine Box. In der Kunst sind es in der klassischen und meist verwendeten Form die viereckigen Bilder/Gemälde, deren Inhalt räumlich nur einen begrenzten Wirkungsgrad nutzen kann. Alles schon gesehen: Höhe mal Breite, mal mir das Lied von der Freiheit, wenn du es kannst, Sam. Glaube nicht, dass du es schaffst. Weil du gefangen bist. In der Box. Die ist allgegenwärtig. Die Bildschirme leuchten, die Köpfe sind gesenkt und das Reden ist ersetzt durchs Gleiten der Finger.

Der Informationsfluss erreicht dich, egal wo du bist, immer ist eine Kiste mit einem Nachrichtenpaket in der Nähe. Du willst es aber nicht wissen. Und trotzdem kriegst du es mit. Mobil hieß mal, sich mit Hilfe der Fahrzeuge durch die Welt schneller bewegen zu können um physisch an das Ziel zu kommen. Heute heißt das, immer und überall erreichbar zu sein, sich den Kopf mit tausenden unnötigen Informationen vollzustopfen. Und den Mangel an sozialen, kommunikativen Fähigkeiten mit Digitalem zu ersetzen. Check in Sam. Check in das Gesichtsbuch, Herr Googles oder Gates, Plus, Minus, Chat, keine Interpunktion, kein fertig geformter Gedanke, nur die Oberfläche, die Wände der Monsterkiste, an denen du in die Leere abrutschst und das ist dein Leben, die virtuellen Freunde, die virtuellen Feinde, die Bilder die du dir von morgens bis abends reinziehst und das dann die Freiheit nennst.

Die Kiste, der Bildschirm. Durchzappen durch die unzähligen Bilder und Wörter. Stunden und Datenunmengen an sinnlosen Informationen. Gehen auch durch mich, durch das Auge und die Eustachische Röhre direkt in deinen Kopf und vernetzten dort was – du spürst es – wie deine neuralen Netze immer überlasteter werden und dann bist du lustlos und erschöpft und fragst dich warum.
Darum. Dass du gezüchtet wirst. Und dass du es kaufst. Deine Freiheit. Deine Träume. Mach was aus deiner Zeit. Kauf was und habe das Gefühl, die Zeit mit Objekten sinnvoll erfüllt zu haben.

Der Selbstbefreiungsversuch
Aus einem Gefühl der Gefangenschaft in einem Selbst und auch in der Gesellschaft, aber vor allem in der Welt der Zerstörung und dem daraus entstandenen Gefühl der Sinnlosigkeit und der eigenen Endlichkeit in Kriegsjahren in Kroatien, entstanden in damaligen Aufzeichnungen (eine Art künstlerisches Tagebuch) spontane, Comic-Artige Menschensilhouetten in kleinen Boxen. Selbstverständlich entscheidend war der Einfluss der Comic-Kultur auch für diese Art des Kommentars .Es ging jedoch darum, die Wörter und die Zeiten aus der Sicht eines einzelnen (Teenagers) zu illustrieren und zu untermauern.
Und jetzt, zweiundzwanzig Jahre danach, entstehen wieder in einer Comic artigen Box, dem Comic ähnelnde (skizzenhafte)Figuren in 3D. Ohne zu überlegen und ohne den Wunsch, die Zeiten zu verbinden, sogar ohne eines bewussten Zugriffs auf die „alte“ Idee.
Die Serie „Men in the Box“ ist ein Versuch, sich selbst aus der Welt der neuen Medien zu befreien und gleichzeitig einen kritischen Blick auf das Thema Gefangenschaft in der Medienlandschaft zu werfen. Die Selbstbefreiung funktioniert so weit, da die erforderliche Arbeit durch das Handwerk sehr vom multimedialen Raum Abstand nimmt.