TEXT by CRASH

Ein pinsellanges Leben

Burek
Rektum
Tumor
Organ
Gun ist repetiert
Richtung deiner Mutter
Schläfenlöcher in der alten Socke
Exodus der Nasensäue
Zucht von Krokodilhöschen
egoplatzter Ballon

Versuche zu sagen was du willst
wolle was du kriegen kannst
kriege was du verloren hast
verrücktgeworden
geh los wo immer du hingehst
lege deinen Schritt
genau dort
wo du deiner Angst
gegenüber stehst
wo deine Jahre
Richtungen Straßen und Menschen
verlorengegangen sind

Warum weinst du nicht
wenn es schmerzt
warum schreist du nicht
wenn es drückt
weil dich die Leere
verschlungen hat
gefallen
oder der Boden hat sich aufgehängt
unter dem Mondgesicht
unter den Wunden der Wahnsinnigen

über der Wasseroberfläche
gibt es keinen Raum
nur die Strecke
ein pinsellanges Leben.

Über die (Kunst der) Malerei

Apologia„Was machst deine Kunst?“, werde ich manchmal gefragt. „Was malst du so zur Zeit?“

Schwierig zu beantworten? Was sieht ihr da drin? Dunkle Bilder? Düsterheit? Verstört seit ihr? Aber es geht nicht um dunkel oder düster zu sein. Es geht um die Reduktion. Menschenfiguren, die eine (oder mehrere) Emotionen zeigen. Krampfhaft, traurig, eingeengt, optimistisch, wie auch immer. Die Dunkelheit gibt mehr Raum für Kontraste. Um mich und den Betrachter schneller zum Punkt zu bringen. Obwohl mir der Betrachter nicht mehr so wichtig ist. Die Kritik soll jedoch wichtig für die Weiterentwicklung eines Künstlers sein. Nicht für mich. Nicht mehr. Nach mehreren Jahrzehnten meiner malerischen Beschäftigung brauche ich es nicht. Ich habe genug gelernt, versucht. Mein Auge und meine Hand sind gezüchtigt. Jetzt werden die Bewegungen frei. Hier ist die Leinwand und ich und das Wesen der Kunst – das heraus und durch mich drauf will. Ich falle in den Arbeitsfieber und es existiert in diesen Momenten nichts mehr. Nur die Auseinandersetzung zwischen mir und Ihr – der Kunst. Die Entfesselung. Freiheit für die Kunst. Und für mich.

Ich habe so viel Zeit damit verbracht, bestimmte Ideen, innere Welten, Geschichten, kritische Auseinandersetzungen, auch aus Frust oder Verletzung heraus, genaustens zu malen. Mit schrillen, grellen, knalligen „Tageslichtfarben“. Ich war zu direkt. Ich habe alles geradlinig, unmittelbar gezeigt. Das Verborgene reizt mich jetzt viel mehr. Das Eine, das aus sich heraus entsteht. Und knallt durch sein Werkzeug (Durch mich und den Pinsel) an das Leinen. An die (Lein)Wand. Die und ich und Niemand sonst da. Ein Band. Eine Verbundenheit. Durch die wird das Bild frei. Frei von störenden Elementen. Dem Hintergrund. Um schneller zum Punkt zu kommen. Frei von Details. Um offener zu sein. Und frei von Thematisierung, von Intellektualisierung. Um von mir abzuhauen. Weg von meiner Kopflastigkeit, näher zur Wahrheit. Nur die wahren Gefühle können richtig berühren. Nur die gute Kunst besitzt die Fähigkeit, starke Gefühle hervorzubringen. Nur die gute Kunst lebt für sich und ist fähig, ohne langen Erklärungen für sich zu sprechen und was gescheites beim Beobachter auszulösen.

Die Geschichte des Krieges

Der Strick, die Spur

Geschiche des Krieges IIManchmal fängt alles mit einem Strick an. Ich denke hier nicht an einen Strick um sich aufzuhängen, nein, meine Erinnerung an den Krieg fängt irgendwo in der Mitte dieser Zeit an. Und in der Mitte unseres Vorhofes in unserem Haus an der Drau, in der Stadt auf dem Balkan. Und an einen Abend einen Siebzehnjährigen, der empor den beleuchteten Himmel starrt, die Sterne sind kleine winzige fast unsichtbare Pünktchen, während die Feuerbälle des Krieges in eigenem Schauspiel der Lichter ihre Performance zeigen. In meinem Mund der Strick, ja der Plastikwäschestrick, auf dem ich ganz leise Töne schlage. Mein Blick ist starr, die Gedanken weg, just für ein paar Momente ist die Angst auch weg, Gedanken sind weg – gerade bin ich nicht hier und konnte ein meditativer, außernatürlicher, in Nirvana erlöschter Musiker sein. Und auf einem Film der nie gedreht wurde, ist dieser Moment eine luzide Kunstvorstellung. Augenblicklich ist ein ganz lautes Quietschen eines Mörserprojektils. (Das Geräusch klingt so wie das Quietschen der Schweine kurz vor der Schlacht). Man sagt wenn man es hört, ist es schon über dich und fliegt vorbei und du bist safe. Trotzdem. Mein Ausgang ist ein Loch in dem Ziegelsteinboden, eine Kellerfalltür. Springe rein. Der Eingang in die scheinbare Sicherheit. In alten steinernen türkisch gewölbten Keller kommen mir wieder die Gedanken und die Angst ist langsam wieder spürbar.
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Das Sein des Nichts

Das Nichts als abstraktes Konzept, Metapher oder als Frage, die sich auch die westliche Philosophie öfter stellte. Ein würdiges Thema für die Kunst. Ein Grundsatz des Atheismus und ein Antagonismus des Lebens.
Ich verarbeitete das Thema auch mal – in einem Gedicht und als ein Gemälde:

Das Nichts

Das Nichts, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

ein Schnaps dreht die Lampe
die Sterne sind sehr
auf uns liegt die Zeit
wie die Flechte
Nabel ist die Eindellung
die ich an dir suche
ich will gern gleiten
an deinen Linien
ich will gern träumen
das Kristallschiff
in deinem Mundwinkel
wie ein leichter Traum
und lieber verstummen
lieber die Augen schließen

ich schieße meinen Kopf in den Raum
zwischen der Theke und dem Umfallen
Fliege unter dem Glas vor sieben
der Boden verneigt sich und Küsst meine Stirn

der Raum bricht in die Hälfte
unter dem Boden ist Hülle des Nichts.

Das große abstrakte Kunstwerk

Ich stehe auf. Kaffee und Zigaretten. Zeit zum Hochfahren. Das Übliche: Ich schaue im Web, was es so neues gibt. Vor allem die Bilderflut. Was macht die Kunst. Was sagen die Kunstzeitschriften, Kritiker, Experten. All Diejenigen, die ihren gut gepolsterten Arsch auf großen Ausstellungen und Kunstmessen bewegen. Wohin ich nicht hingehen würde, auch nicht wenn ich es könnte. Sie bringen Berichte die mich nicht besonderes berühren. Ein paar gute Ideen aus Hunderten Abbildungen der Kunstwerke sind zu finden, die Ausführungen jedoch fraglich.

Zeitgenössische Kunst / Contemporary Art Weiterlesen

Um was geht es

Als ob es mal war. Hier, unter dem Horizont der Schande. Die unendlichen Wege des Egoismus, auf denen die Menge von Derartigen läuft und sie erzählen ihre Geschichten, was auch immer, es ist egal, Hauptsache sie werden gehört. Labere jemanden, der anscheinend zuhört, voll. Und wen interessierts? Dreh die Augen. Den Kopf. Und schaue die Wahrheit. Und sie heißt: Du bist alleingelassen. Hier mit deinen Materialien, mit aufgestapelten Menschlichkeitsresten. Bewege dich und baue die Teile zusammen. Irgendwie. Es ist egal wie.

Über was reden wir hier? Über die Entstehung eines Kunstwerks. Über das Überleben einer Künstlerseele. Die, die es nicht kennen, können mich mal. Und sollen sich verpissen. Im Sprung. Auf dem Fußgängerweg. Klebt der Kaugummi. So, wie sich die Zeit zieht. So, wie wir die unwichtigen Wörter ziehen, im mit Leere erfüllten Raum. Es reicht. Bewege die Hände, elektrisiere  die Hirnverbindungen und tue was. Und nehme herumliegende Materialien. Nimm das Gefühl, komprimiere es in eine Form und so weiter.
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Was will der Hirnfresser

Skulptur von Crash

Gedanken sind frei, Plastik
30x30x30 cm
Mischtechnik

Nun, du bist vom Blödsinn, der aus verschiedensten Medien herausquillt, umgeben. Starte Windows, öffne Google und du siehst alles. Drück auf die Fernbedienung, schau in die Kiste, um das Ganze zu sehen und zu hören. Alles, was sie dir ins Hirn reinzuhauen versuchen, alles, was sie dir dein Leben lang versuchen beizubringen, alles, über was wir tatsächlich keine Ahnung haben. Zeig mir, was real ist. Zeig mir, was die Wahrheit und was die Lüge ist. Sag mir, wer täuscht wen, wenn nicht Du dich selbst am meisten.

Der Brain Eater ist hier in dir, auch wenn du es nicht zugeben magst. Und er wird dich dort, wo du nicht sein willst, hinbringen. Auch wenn du denkst, daß alles in Ordnung ist. Auch wenn es scheint, daß du alles unter Kontrolle hast. Kannst drauf pfeiffen. Alter, iss deine Gedanken und Wörter und brenn das drauf auf die Festplatte oder einen Datenträger. Lass es laufen, um zu sehen. Selbsttäuschung. Du wirst auch zu einem Vampir, der die Zeit und die Tage stiehlt.

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In the Box

Skulptur "Man in the Box II"

Eine Plastik aus der Serie “In the Box”

Wo immer man hinschaut ist eine viereckige Fläche, eine Kiste, eine Box. In der Kunst sind es in der klassischen und meist verwendeten Form die viereckigen Bilder/Gemälde, deren Inhalt räumlich nur einen begrenzten Wirkungsgrad nutzen kann. Alles schon gesehen: Höhe mal Breite, mal mir das Lied von der Freiheit, wenn du es kannst, Sam. Glaube nicht, dass du es schaffst. Weil du gefangen bist. In der Box. Die ist allgegenwärtig. Die Bildschirme leuchten, die Köpfe sind gesenkt und das Reden ist ersetzt durchs Gleiten der Finger.

Der Informationsfluss erreicht dich, egal wo du bist, immer ist eine Kiste mit einem Nachrichtenpaket in der Nähe. Du willst es aber nicht wissen. Und trotzdem kriegst du es mit. Mobil hieß mal, sich mit Hilfe der Fahrzeuge durch die Welt schneller bewegen zu können um physisch an das Ziel zu kommen. Heute heißt das, immer und überall erreichbar zu sein, sich den Kopf mit tausenden unnötigen Informationen vollzustopfen. Und den Mangel an sozialen, kommunikativen Fähigkeiten mit Digitalem zu ersetzen. Check in Sam. Check in das Gesichtsbuch, Herr Googles oder Gates, Plus, Minus, Chat, keine Interpunktion, kein fertig geformter Gedanke, nur die Oberfläche, die Wände der Monsterkiste, an denen du in die Leere abrutschst und das ist dein Leben, die virtuellen Freunde, die virtuellen Feinde, die Bilder die du dir von morgens bis abends reinziehst und das dann die Freiheit nennst.

Die Kiste, der Bildschirm. Durchzappen durch die unzähligen Bilder und Wörter. Stunden und Datenunmengen an sinnlosen Informationen. Gehen auch durch mich, durch das Auge und die Eustachische Röhre direkt in deinen Kopf und vernetzten dort was – du spürst es – wie deine neuralen Netze immer überlasteter werden und dann bist du lustlos und erschöpft und fragst dich warum.
Darum. Dass du gezüchtet wirst. Und dass du es kaufst. Deine Freiheit. Deine Träume. Mach was aus deiner Zeit. Kauf was und habe das Gefühl, die Zeit mit Objekten sinnvoll erfüllt zu haben.
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