Das große abstrakte Kunstwerk

Ich stehe auf. Kaffee und Zigaretten. Zeit zum Hochfahren. Das Übliche: Ich schaue im Web, was es so neues gibt. Vor allem die Bilderflut. Was macht die Kunst. Was sagen die Kunstzeitschriften, Kritiker, Experten. All Diejenigen, die ihren gut gepolsterten Arsch auf großen Ausstellungen und Kunstmessen bewegen. Wohin ich nicht hingehen würde, auch nicht wenn ich es könnte. Sie bringen Berichte die mich nicht besonderes berühren. Ein paar gute Ideen aus Hunderten Abbildungen der Kunstwerke sind zu finden, die Ausführungen jedoch fraglich.

Zeitgenössische Kunst / Contemporary Art

Contemporary art.

Das Wort „Contemporary“ hat in mir schon immer eher das Englische „Temporary“  assoziiert, was soviel wie vorübergehend oder befristet bedeutet. Ich assoziiere damit was Auseinanderfallendes, nicht von Dauer, nicht bedeutend genug. Es hebt solange man es hält. Was werden die Zeitzeugen in einpaar hundert Jahren über die zeitgenössische Kunst sagen? Schau mal das Foto an. Das war mal ein tolles Kunstwerk… ?
Ich weiß es nicht. Ist wahrscheinlich egal. Die Idee ist das, was zählt. Und trotzdem sehe ich eine Vielfalt an leeren, farblosen Räumen, in den die Installationen ausgestellt sind und mir eine Geschichte erzählen wollen. Wie toll der heutige Geist damit kritisiert wird. Wie toll der Künstler die Momentaufnahme in richtigem Zeitpunk und in richtigem Ausstellungsraum gewählt hat. Was für ein tolles Konzept.

Ich sehe mir auch die Fotokunst an. Den Großteil machen immer und immer wieder kehrende, langweilige Fotos aus. Nichts was einen berührt. Mit wie aus Modezeitschriften retuschierten Menschen, in blassen und coolen Tonwerten, weggezogener Sättigung. Das ist die eine Richtung. Die andere ist genau das Gegenteil: Bunte, zu bunte Welten, die tun meinen Augen weh. Alles ist bunt, so wie das Internet.

Dann sind auch noch die Skulpturen da. Beuysdeutsch: Plastiken. Die meisten sind geometrische Formen, irgendwie in den Raum gestellt und irgendwie in ein tolles Konzept zusammengepackt. Das unsere Existenz zu erklären versucht. Das unsere Dummheit und die Leere beschreiben will. Die Leere kann es aber gar nicht geben weil:

All diese Bilder fügen sich zusammen in ein Gesamtwerk. Wenn man genau hinschaut. Wenn man sich den Überblick verschafft. Wenn man das Ganze zulässt und ein Moment inne hält. Dann kommt’s: All die guten, schlechten, langweiligen, interessanten, bunten, grauenhaften, geilen, ermüdenden Kunstwerke, all die uns nichts sagenden, eingebildeten, verrückten, witzlosen, wiederholenden, zitierenden, labernden Künstler. Die alle zusammen bilden das große abstrakte Kunstwerk. Das große pulsierende Wesen, das nicht stirbt, das unendlich ist. Der liebe, aus Millionen Bildern gebaut, unendlich große Drache.

Darüber bin ich froh.
Danke Kunst.